„Venedig ist im Wasser, hat aber kein Wasser.”*
Der Wasserspiegel steigt. Wasser, das wir in unzähligen Zyklen täglich trinken und ausscheiden. Wasser als lebenswichtige natürliche Ressource – und streng kontrolliertes Gut. Wasser, in das wir uns fallen lassen, in das wir eintauchen und aus dem wir, vielleicht transformiert, auftauchen. Tanz, Theater und Performance verbindend, nimmt Holzinger ihre langjährigen Recherchen zum Element Wasser – zugleich als Materie und Symbol – als Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper in einer radikal veränderten Landschaft, in der Natur und Technologie unmittelbar aufeinanderprallen.
Der österreichische Pavillon wird zu einem maschinen-ähnlichen Organismus, in dem Aktion und ihre Konsequenzen am Körper verhandelt werden. Als Unterwasserthemenpark, Kläranlage und Sakralbau zugleich, verkompliziert SEAWORLD VENICE die Dualismen von Reinheit und Verschmutzung, von Schuld und Sühne – und macht den Abfall sichtbar, der sonst verborgen bleibt und doch allgegenwärtig ist.
SEAWORLD VENICE erstreckt sich über den Stadtraum in Form ortsspezifischer Performances in Wasser, Luft und an Land. Die seit 2020 entwickelte Reihe experimenteller Formate mit dem Titel Études besteht aus choreografischen Übungen und performativen Aktionen im öffentlichen Raum. Holzingers Performer:innen - menschlicher wie anderer Natur - tauchen aus der venezianischen Lagune, in der sich der Müll des Turbotourismus sammelt, und steigen in den Himmel auf, um die Verletztlichkeit und Resilienz von Körpern und der Welt zugleich zu offenbaren.
Mit Holzingers feministischer Prämisse und der extremen Körperlichkeit ihrer Praxis entsteht eine Analogie und bildliche Textur eines (Öko)systems, das außer Kontrolle geraten ist. Rituale werden notwendig, um die Ordnung wiederherzustellen – der Dreck muss beschworen werden: flüchtige Bilder und Kompositionen, die uns heimsuchen und uns an den Rand des Unmöglichen führen.
Überschwemmungen, von Menschen verursacht. Leben im Abfall anderer. Robotische Höllenhunde, die den Weg in die Zukunft weisen. I live in your piss. Whose wet dream is this?
— Nora-Swantje Almes
*Marin Sanudo, 1466–1536, zitiert nach Giovanni Distefano, Wie entstand Venedig? (Supernova, 2014)